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Forschung aktuell
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Datenbankgestütztes Aktivitätenmanagement als Werkzeug für
das Workflow- und Prozeßmanagement
Mit dem sogenannten "datenbankgestützten Aktivitätenmanagment" befaßt
sich die Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Hans-Jürgen Appelrath, Fachbereich 10
Informatik der Universität Oldenburg. Das "datenbankgestützte Aktivitätenmanagment"
ist das Ergebnis aktueller Forschungsvorhaben und ermöglicht in Betrieben
und in der Verwaltung eine komplexe Verschachtelung von computergestützten
Routineaufgaben und z.T. eigenständigen Problemlösungen.
Die klassische Domäne rechnergestützter Informationssysteme ist
die Bereitstellung und Pflege von Datenbeständen auf der Basis konventioneller
Datenbanktechnologie. Die wachsende lokale Autonomie von Organisationseinheiten
einerseits und die Verschachtelung mehrerer Vorgänge in einer Organisation
andererseits führt jedoch zu gestiegenen Anforderungen an zukünftige
Informationssysteme, die künftig nicht mehr vorrangig Datenspeicher sein
müssen, sondern Handlungsanweisungen von Menschen, autonome Informationssysteme
und Werkzeuge integrieren müssen. Sie werden derart komplex, daß die
Koordination der zur Erfüllung einer Aufgabe notwendigen einzelnen Anwendungsfunktionen
(Aktionen) nicht mehr den BenutzerInnen allein überlassen werden kann, sondern
teilweise vom System übernommen werden muß. Derartige Systeme heißen
aktive Informationssysteme (AIS).
Ihre Architektur beinhaltet als Organisationseinheiten zum einen das konventionelle
Datenbankmanagement und zum anderen die davon unabhängig arbeitende Überwachungseinheit,
das Aktitvitätenmanagement. Dieses integriert anwendungsunabhängige
Dienste zur Verwaltung und Steuerung von Datenflüssen und -transformationen
in Teilsystemen, wie beispielsweise Software-Werkzeuge, Editoren, Tabellenkalkulationsprogrammen
oder programmanalytische Mechanismen. Aktivitätsmanagementsysteme (AMS) erhöhen
auf diese Weise die Transparenz und die Modularität der Anwendungsentwicklung
und erreichen eine größere Flexibilität der mit ihnen realisierten
aktiven Informationssysteme.
Die Arbeitsgruppe von Appelrath ist derzeit an der Identifizierung universeller
Mechanismen zur flexiblen Beschreibung, Verwaltung und Steuerung von systeminternen
Aktivitäten beteiligt. Im Zentrum des Modells befinden sich einheitliche
Abstraktionsprinzipien, wie sie durch die dazu definierten sogenannten Aktiven
Abstrakten Datentypen (AADT) angeboten werden. Mit Hilfe dieser Vereinheitlichung
von Merkmalsausprägungen wird das AIS über Ereignisse bei den externen
Agenten wie NutzerInnen oder Maschinen informiert und kann gleichzeitig über
Operationsaufrufe auf diese einwirken.
Aufgrund ihrer Universalität können Aktivitätsmanagementsysteme
den Einsatz von Routineabläufen zur Auswertung von Datenbanken beispielsweise
in der Verwaltung, biologischen oder soziologischen Erfassungsprogrammen automatisieren,
mehrere Auswertungsebenen und Agenten kombinieren sowie Aufgabenteile der Software-Prozeß-Planung
übernehmen.
Vorstellbare Anwendungsgebiete für AIS
-
Führungsinformationssysteme Für einen idealisierten Betrieb sollen
aus den operativen Informationssystemen, z.B. für Finanzbuchhaltung, Personalwesen,
Fertigungsplanung oder Logistik Informationen für das Managment abstrahiert
werden, die als Entscheidungsgrundlage dienen können.
-
Epidemiologische Krebsforschung Ein prototypisches Krebsregister beinhaltet
Daten über Krebsfälle, Bevölkerung und die Umwelt und kann mit
Hilfe von AIS um Regeln zur automatischen Entwicklung von Hypothese über
mögliche Krebsursachen erweitert werden.
-
Workflow-Management Workflow-Managementsysteme unterstützen Geschäftsvorfälle
in Unternehmen über einzelne Organisationseinheiten hinweg und können
bei der Optimierung von Produktionsprozessen eingesetzt werden.
-
Rechnergestützte Software-Entwicklung (Active Computer-Aided Software
Engineering, Active-CASE).
-
Im Rahmen von sogenannten Vorgehensmodellen werden kausale und zeitliche Abhängigkeiten
zwischen Einzelaktivitäten als Ereignisse und Aktionen modelliert und mit
Hilfe des Aktivitätenmanagemenstsystems realisiert. Somit wird eine größtmögliche
Anpassung von software-technischen Problemlösungen an einzelne daten- und
fragegeleitete Situationen ermöglicht.

Kontakt: Prof. Dr. Appelrath, Fachbereich 10 Informatik, Universität
Oldenburg, Tel. 0441/9722-201

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