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Studie: Große Probleme bei der Lagerung von Biodiesel
Raps als nachwachsender Rohstoff erlangte seine große Bedeutung für
die europäische Agrarwirtschaft nach den beiden Ölkrisen in den 70er
Jahren. Pflanzenöle, die zuvor nur für die Nahrungsmittelproduktion
interessant waren, wurden auf ihre Eignung als Ersatz für Dieselkraftstoff
getestet. Dabei standen zwei prinzipiell unterschiedliche Verfahren zur Disposition.
Einerseits kann der Kraftfahrzeugmotor dem neuen Kraftstoff aus Pflanzenöl
angepaßt werden, andererseits kann das Pflanzenöl durch chemische Verfahren
so verändert werden, daß eine Nutzung in herkömmlichen Motoren
möglich ist. Im Falle des Kraftstoffs aus Rapsöl wird das Öl in
einer Raffinerie aufbereitet. Am Ende des Prozesses steht Rapsölmethylester
(RME), der unter der Bezeichnung Biodiesel vermarktet wird. Hervorgehoben werden
in diesem Zusammenhang stets die ausgeglichene CO2Bilanz (bei
der Herstellung und Verbrennung des Kraftstoffs wird nicht mehr CO2 freigesetzt,
als durch das Wachstum der Pflanze aufgenommen wird) und die gute biologische
Abbaubarkeit des Biodiesels. Gerade diese biologische Abbaubarkeit bringt aber
Probleme bei der Lagerung mit sich.
Eine Studie der Universität Oldenburg (Arbeitsgruppe Allgemeine Mikrobiologie
unter der Leitung von Prof. Dr. Karl-Heinz Blotevogel) erforscht das Langzeitlagerverhalten
von reinem Rapsölmethylester und von unterschiedlichen Mischungen aus herkömmlichem
Diesel und Biodiesel. Untersucht wurde das Wachstum von natürlich vorkommenden
Mikroorganismen, die in der Lage sind, bestimmte Bestandteile des Kraftstoffs
als Nährstoffe zu nutzen. Sowohl Bakterien als auch Pilze sind in der Lage,
mit diesem Substrat zu wachsen, wenn sich Wasser in dem Lagertank befindet. Durch
Kondensation wird ein Wasserfilm an den Tankwänden gebildet, der durch seine
höhere Dichte am Tankboden eine Schicht unter dem Kraftstoff bildet. An der
Grenzfläche von Wasser und Kraftstoff leben und vermehren sich die Mikroorganismen.
Bei Lagerungstemperaturen von 25°C führen bereits geringe Beimischungen
von Rapsölmethylester zum Dieselöl zu einem dramatischen Anstieg der
bakteriellen Keimzahlen. In Einzelfällen wurde eine Verzehnfachung der bakteriellen
Keimzahl gegenüber herkömmlichem Diesel gemessen. Bei höheren Anteilen
von Rapsölmethylester im Diesel und im reinen Biodiesel wird insbesondere
das Wachstum von Pilzen gefördert, die mit ihren stark verzweigten Zellfäden
(Mycel) den Kraftstoff durchsetzen. In Einzelfällen bilden diese Pilze in
reinem Biodiesel bis zu zehnmal mehr Biomasse als in mineralölstämmigem
Diesel. Der starke Wuchs der Mikroorganismen rührt von der guten biologischen
Abbaubarkeit der Rapsölmethylesterkomponenten her, die auch unter sauerstofffreien
Bedingungen durch die Mikroorganismen verwertet werden können. Bei dem Abbau
des Kraftstoffes kehren die Mikroorganismen den industriellen Fertigungsprozeß
des Rapsölmethylesters um, indem sie den Kraftstoff wieder in seine Bestandteile
zerlegen.
Alle Ergebnisse lassen die Schlußfolgerung zu, daß bei einem großflächigen
Einsatz von reinem Rapsölmethylester oder mit Rapsölmethylester vermischten
Dieselkraftstoffen ein erheblich höheres Risiko des mikrobiellen Bewuchses
zu tragen ist, das zu großen Problemen bei der Langzeitlagerung dieser Kraftstoffe
führt. Durch die Aktivitäten der Mikroorganismen werden Kraftstoffkomponenten
abgebaut, Korrosionen am Tank gefördert und Biomasse gebildet. Der Kraftstoff
wird erheblich verunreinigt und verliert seinen Gebrauchswert.
Hinsichtlich der Nutzung von Biodiesel kristallisieren sich zwei Strömungen
in der EG heraus. Die einen befürworten die Nutzung von reinem Biodiesel,
andere wollen gewisse Anteile herkömmlichen Dieselkraftstoffs durch Biodiesel
ersetzen. Diese Beimischungen werden insbesondere von der französischen Regierung
forciert, die zur Jahrtausendwende diesen Mischkraftstoff per Gesetz einführen
möchte. Da dieser Kraftstoff zum überwiegenden Teil aus mineralölstämmigem
Dieselöl bestehen wird, ist ein ökologischer Nutzen stark anzuzweifeln.
Der Antrieb zu diesem Gesetz scheint eher aus der traditionellen Nähe der
Neogaullisten zu den Landwirten zu erwachsen. Das Gesetz böte einen sicheren
Absatzmarkt für rapsanbauende Landwirte. Derartige versteckte Subventionen
würden noch dadurch unterstützt, daß die Rapsölmethylesterkomponente
des Kraftstoffs nicht besteuert werden soll. Dadurch würde der Verkaufspreis
in etwa auf die Höhe von herkömmlichem Dieselöl fallen.
Aufgrund der Studie sei, so Prof. Blotevogel, die Nutzung von RapsölmethylesterDieselGemischen
aus ökologischer und ökonomischer Sicht zweifelhaft. Man müsse
fragen, ob nicht als Alternative reiner Biodiesel ausschließlich für
spezielle Zwecke, z.B. als Kraftstoff in der Forstwirtschaft oder in Wasserschutzgebieten,
genutzt werden sollte.

Kontakt: Prof. Dr. Karl-Heinz Blotevogel, Fachbereich Biologie, Arbeitsgruppe
Mikrobiologie, Tel.: ++49/(0)441/798-3289, Fax : -3250.

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