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Eifersucht - ein Kind der Liebe
von Dr. Annette Schmitt
(Eine Kurzinformation finden Sie hier)
"Eifersucht ist eine Leidenschaft, die mit Eifer sucht, was Leiden schafft",
beschrieb der Philosoph Friedrich E.D. Schleiermacher die Eifersucht, die oft
als innere Kastrophe wahrgenommen wird. Wie wird Eifersucht durchlebt? Wie wird
sie mitgeteilt? Welche Varianten gibt es? Wie wird sie vermindert oder ganz aufgegeben?
200 Geschichten von Betroffenen waren die Grundlage einer Untersuchung.
Bis auf sehr wenige Glückliche, die von diesem intensiven und belastenden
Gefühl verschont bleiben, müssen sich beinahe alle Menschen irgendwann
einmal im Leben mit Eifersucht auseinandersetzen. Nach Umfragen waren nahezu alle
Befragten schon einmal eifersüchtig oder wären es, wenn ihre Partner
eine intime Beziehung zu einer dritten Person begännen. Eifersucht bzw. Untreue
gehört zu den häufigsten Scheidungs- oder Trennungsgründen. Verschiedene
Studien berichten zudem, daß Eifersucht das häufigste Motiv von Gewalttaten
und Morden von Männern an ihren Partnerinnen ist. Angesichts dessen ist dieses
Gefühl sicherlich einer gründlichen Erforschung wert. Wir versuchten,
dem Verständnis von Eifersucht mit einer Untersuchung von 200 Geschichten
über Eifersucht, die Betroffene für uns aufgeschrieben hatten, näherzukommen.
Um die Geschichten von 200 ErzählerInnen, die natürlich jeweils
ganz individuell und einzigartig formuliert waren, vergleichbar zu machen, wurden
zunächst alle Aussagen sprachlich vereinheitlicht. Dies geschah mit Hilfe
eines inhaltsanalytischen Kategoriensystems. Aussagen, die den gleichen Sinn haben,
aber sprachlich unterschiedlich formuliert waren, wurden dabei gemeinsamen Kategorien
zugeordnet. So fielen z.B. die Aussagen "am nächsten Tag brachte mein Partner
mir einen wunderschönen Blumenstrauß mit" und "Sie sagte mir dann aber,
daß sie nur mich liebe" in die Kategorie "Liebesbeweis des Partners". Auf
dieser Basis konnten dann verschiedene Geschichten miteinander verglichen werden.
(Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird im folgenden nicht jedesmal von
"Partner/Partnerin" gesprochen).
Das Drehbuch der Eifersucht
Das Durchleben und der Ausdruck von Gefühlen, also auch von Eifersucht,
folgt bestimmten Regeln, über die in einer Kultur Einigkeit besteht. Diese
kulturellen Vereinbarungen regeln z.B., bei welchen Anlässen berechtigterweise
Eifersucht erlebt werden darf und welche Verhaltensweisen angemessen sind. Diesen
Regeln entsprechend muß ein Eifersüchtiger seine Eifersucht schildern,
wenn er als "vernünftiger Mensch" gelten möchte. Für das Verständnis
eines Gefühls ist es sehr wichtig, dessen Regeln zu kennen. Denn sie bestimmen
nicht nur, quasi dem eigentlichen Erleben aufgesetzt, den Ausdruck eines Gefühls,
sondern ermöglichen vielmehr das Erleben selbst.
Die kulturell überlieferten Regeln der Eifersucht, so wie sie sich in
den untersuchten Eifersuchtsgeschichten ausdrückten, sind in dem Leerstellengefüge
der Eifersucht (siehe Grafik) dargestellt. Die Darstellung illustriert, welche
"leeren Stellen" ein Eifersüchtiger mit konkreten Inhalten füllen muß,
um seine Eifersucht anderen nachvollziehbar darzustellen. Das Leerstellengefüge
kann demnach als "Drehbuch" für Eifersuchtsdramen gelesen werden. Wer Eifersucht
erlebt und anderen mitteilen möchte, der muß etwas über die drei
großen Themenbereiche sagen, die wir mit "Leid", "Schuld" und "Tat" überschrieben
haben. Umgekehrt können wir diese Darstellung auch als Orientierungshilfe
verwenden, um Eifersuchtserlebnisse, die wir besser verstehen wollen, zu erkunden
und einzuordnen. Die Kombination der drei Bereiche, also die Zuweisung von Schuld
und das Erleben von Leid im Zusammenhang mit einer "Eifersuchtstat", macht in
unserer Kultur das Eifersuchtserleben aus.
Allen Eifersuchtserlebnissen gemeinsam ist es also, anderen Schuld für
eine Eifersuchtstat zuzuschreiben und ein gewisses Leid wegen dieserTat zu erleben.
In den Einzelheiten jedoch können sich verschiedene Erlebnisse erheblich
unterscheiden. Diese Varianten stellt die Grafik in den kleineren, den großen
Bereichen untergeordneten Kästchen dar. So kann die Schuld für das Eifersuchtsereignis
dem geliebten Partner ("Täter G"), dem Rivalen ("Täter R") oder aber
der eigenen Person ("Selbstanschuldigungen") zugeschrieben werden. Zudem kann
die eifersüchtige Person Ärger erleben und diesen durch Ärgerbelege
untermauern. Solche Ärgerbelege sind von anderen beobachtbare, quasi-objektive
Beweise.
Auch die möglichen Anlässe für Eifersucht können sehr
verschieden sein. Wir fanden in den Geschichten als mögliche Eifersuchtsanlässe
die Vernachlässigung, vermutete Untreue und die Gewißheit über
Untreue des Partners. Diese Anlässe werden in bestimmte situative Umstände
(bspw. "im Urlaub" oder "bei einem geselligen Beisammensein") eingebettet. Zudem
können dafür Indizien und Beweise, die Tathinweise, berichtet werden.
Solche Tathinweise sind verräterische Liebesbriefe an den Rivalen, aufgedeckte
Ausreden und Lügen oder auch das Ertappen "in flagranti".
Eifersuchts-Leid
Was die möglichen Varianten des bei Eifersucht erlebten Leids angeht,
so wurden verschiedene belastende Gefühle, nämlich Angst, Traurigkeit,
Selbstwertzweifel und anderes Leid (z. B. Neid), geschildert. Ebenso wie der Ärger,
so wurden auch diese Arten des Leids durch quasi-objektive "Beweise", die Leidbelege,
glaubhaft gemacht. Als Umgangsweisen fanden wir zum einen partnerbezogene Umgangsweisen.
Diese unterscheiden sich nach kooperativen (z. B. sich mit dem Partner aussprechen),
konfrontativen (z. B. eine "Eifersuchtsszene") und indirekten (z. B. die eigene
Attraktivität durch eine Schlankheitskur erhöhen) Strategien. Selbstbezogene
Umgangsweisen hingegen wollen nicht das Verhalten des Partners, sondern das eigene
Befinden verändern. Dies kann geschehen, indem der Eifersüchtige das
Verhalten des Partners gedanklich verharmlost (z. B."Ich bilde mir bestimmt nur
etwas ein"), sich von seinen belastenden Gefühlen ablenkt (z. B. "Ich ging
erstmal raus, um mich zu beruhigen") oder sich von anderen trösten läßt.
Mögliche Ergebnisse der Leidbewältigung sind: das Problem wurde vollständig
gelöst (z. B. "Mein Freund sah meine Rivalin nie wieder, wir sind noch heute
glücklich zusammen"), das Problem blieb oder verschlimmerte sich (z. B. "Beide
trafen sich weiter miteinander, und meine Freundin hatte immer weniger Lust, mit
mir zu schlafen"), und das Problem löste sich nur teilweise (z. B. "Er traf
meine Konkurrentin niemals wieder, aber seitdem ist das Vertrauen zu ihm zerstört").
Vernachlässigung
Der Eifersuchtsanlaß, der Außenstehenden vermutlich als der "harmloseste"
Anlaß erscheint, ist die Vernachlässigung durch den Partner. Kennzeichnend
für diese Situation eines Eifersüchtigen ist, daß er das Gefühl
hat, die geliebte Person schenke einer dritten Person mehr Aufmerksamkeit als
ihr zustehe und vernachlässige im Gegenzug sie, die eifersüchtige Person.
Diese Situation wurde häufig im Zusammenhang mit Partys und anderen gesellschaftlichen
Ereignissen geschildert, bei denen sich der Betroffene "links liegengelassen"
fühlte. Ein typisches Beispiel: "Mein Freund und seine alte Bekannte unterhalten
sich vortrefflich, lachen, sehen sich freundlich an. Zu freundlich? Ich kann nicht
mitreden über ihre gemeinsamen vergangenen Zeiten und sitze schweigend daneben.
Je länger die beiden sich unterhalten, desto unwohler wird mir. Na gut, denke
ich, die beiden haben sich lange nicht gesehen und sich deshalb viel zu erzählen.
Doch ich fühle mich zurückgesetzt, nicht beachtet."
Eifersüchtige erleben in dieser Situation vor allem Ärger über
ihren Partner, der keine Rücksicht auf ihre Gefühle nimmt und eine Kränkung
des Selbstwertgefühls. Ärger berichten mit 94% beinahe alle ErzählerInnen
von Geschichten über die Vernachlässigung. Auch Selbstwertzweifel (unter
diesem Begriff fassen wir auch eine Kränkung des Selbstwertgefühls)
schildert ein Großteil der ErzählerInnen (78%), die sich vernachlässigt
fühlten. Beide Gefühle, Ärger und Selbstwertzweifel, werden in
Vernachlässigungsgeschichten häufiger berichtet als in Geschichten über
die beiden anderen Eifersuchtsanlässe, die unsere ErzählerInnen beschrieben
hatten.
Vermutete Untreue
Während bei der Vernachlässigung durch den Partner die eifersüchtige
Person (noch) nicht an die sexuelle Untreue denkt, stehen diese Gedanken bei dem
Anlaß "vermutete Untreue" ganz im Vordergrund. Eifersüchtige meinen
oft, aus bestimmten Anzeichen die bereits erfolgte oder zukünftige Untreue
der geliebten Person erkennen zu können, sind sich aber nicht sicher, ob
dieser Verdacht berechtigt ist. Typisch dafür ist, daß die vermutete
Untreue in der Phantasie ausgemalt wird und Beweise (oder auch Gegenbeweise) für
die eigene Vermutung gesucht werden. Beispiel für ein solches Verhalten:
"Nachdem mein Mann bereits zwei Stunden bei seiner Ex-Freundin im Nachbarhaus
verbracht hatte, war das Feuer der Eifersucht entfacht. Es loderte mit hellen
Flammen, und ich warf immer mehr Holz rein. Nein, dachte ich, das kann ja nie
solange dauern, vielleicht feiern sie Versöhnung oder küssen sich gerade
oder noch schlimmer. Inzwischen stand ich nur noch am Fenster - brennt das Licht
noch, war da nicht gerade ein Schatten, hörte ich nicht Gelächter?"
Die Suche nach Beweisen schildert eine Erzählerin so: "Ich habe dann meinen
Freund beobachtet, und jede Nachlässigkeit und Mißgestimmtheit seinerseits
schien ein Beweis für seine Untreue zu sein. Schließlich war mein Mißtrauen
so groß geworden, daß ich nach Briefen gesucht habe. Tatsächlich
wurde ich fündig, als ich voller Schuldgefühle, weil ich in den Intimbereich
meines Freunds einfach so einbrach, seinen Schreibtisch durchwühlte. Ich
hoffte, konkrete Hinweise auf die 'Schuld' meines Freundes zu finden, doch war
das, was ich las, vieldeutig und ließ meiner Phantasie viel freien Raum."
ErzählerInnen, die Untreue ihrer Partner vermuteten, erlebten dabei vor
allem Angst davor, der Verdacht könne sich bestätigen und die Liebe
könne verloren sein bzw. verloren gehen. Dies berichteten 80% jener ErzählerInnen.
Das ist ein deutlich höherer Anteil als er sich bei den VerfasserInnen von
Vernachlässigung- und Gewißheitsgeschichten fand.
Gewißheit über Untreue
Als dritten möglichen Anlaß für Eifersucht fanden wir die
Gewissheit über die Untreue. Bei diesem Anlaß besteht Sicherheit über
die sexuelle Untreue des Partners. Zu dieser Überzeugung kommt die eifersüchtige
Person entweder, weil sie selbst Zeuge des intimen Verhältnisses wurde, weil
die Untreue gestanden wurde oder aber weil unwiderlegbare Beweise vorlagen. Ein
Beispiel: "Jedenfalls habe ich zufällig einen Brief von ihm in die Hände
bekommen, den er an eine Bekannte geschrieben hat, mit der er sich zu der Zeit
öfter getroffen hat. In dem Brief las ich, daß die beiden zusammen
geschlafen haben und daß es wohl sehr schön war. Meine körperlichen
Reaktionen dabei waren Herzklopfen, Hitze- und Kälteschauer, Kopfschmerzen
und Magendrücken, was sich jedesmal wiederholte, wenn ich daran dachte."
Zentral für das Erleben von Eifersucht ist in diesem Fall die Traurigkeit
über den Verlust der ausschließlichen Liebe des Partners. Dieses Gefühl
erlebten 61% der Eifersüchtigen, die sich der Untreue des Partners gewiß
waren. Demgegenüber berichteten nur 33% derjenigen, die die Untreue vermutet
hatten, und 44% derjenigen, die sich vernachlässigt gefühlt hatten,
von Traurigkeit.
Verlust der Ausschließlichkeit
Die Erlebnisweisen bei verschiedenen Anlässen zur Eifersucht unterscheiden
sich also ganz erheblich. Trotzdem haben alle berichteten Erlebnisweisen der Eifersucht
einen gemeinsamen Kern: Letztendlich sind alle betroffenen Eifersüchtigen
mit Gedanken an den Verlust der Liebe beschäftigt. Eine weitere Gemeinsamkeit
besteht darin, daß sie den Verlust der Liebe mit dem Verlust der Ausschließlichkeit
ihrer Liebesbeziehung gleichsetzen. Die Liebe scheint also dann verloren, wenn
eine Beziehung zu einer dritten Person unterhalten wird, die eine ähnliche
Qualität hat, wie die Beziehung zum ursprünglichen Liebespartner.
Eifersucht bei verschiedenen Anlässen unterscheidet sich allerdings darin,
ob der Verlust der Ausschließlichkeit der Liebesbeziehung bereits erfolgt
ist (wie bei der Gewissheit über die Untreue und der Vernachlässigung)
oder ob dieser Verlust erst für die Zukunft erwartet wird (wie bei der vermuteten
Untreue). Zudem werden bei der Eifersucht wegen Vernachlässigung und wegen
der Gewißheit über die Untreue unterschiedliche Standards für
die Ausschließlichkeit der Liebesbeziehung angewendet. Eifersüchtige,
die sich der Untreue gewiß sind, sehen die sexuelle Ausschließlichkeit
ihrer Liebesbeziehung verletzt. Eifersüchtige, die sich vernachlässigt
fühlen, bewerten es hingegen schon als Verletzung ihres Ausschließlichkeitsanspruchs,
wenn ihnen nicht mehr die ungeteilte, absolute Aufmerksamkeit des Partners entgegengebracht
wird. Ihnen erscheint es als Zeichen der verlorenen oder zumindest verminderten
Liebe des Partners, wenn sie nicht (mehr) "den Mittelpunkt des Universums" für
ihn darstellen, sondern er zeitweise andere Personen als GesprächspartnerInnen
vorzieht.
Das gemeinsame "Essential" aller uns beschriebenen Eifersuchtserlebnisse ist
folglich die Überzeugung, romantische Liebe sei ihrem Wesen nach nicht teilbar.
Der Wert der eigenen Liebesbeziehung wird gerade in ihrer Ausschließlichkeit
und Einzigartigkeit gesehen. Selbst wenn ein untreuer Partner beteuert, er liebe
seine "betrogene" Partnerin weiterhin, so ist für die eifersüchtige
Person die Liebesbeziehung doch nicht mehr das, was sie einmal war und was sie
sich wünscht: eine intime Beziehung, die es so nur zwischen ihr und ihrem
Partner gibt.
Läßt sich Eifersucht aufgeben?
Eifersucht, so wurde in unserer Untersuchung ganz deutlich, entspringt dem
Wunsch danach, die Liebe des Partners zu erhalten. Obwohl Eifersucht in diesem
Sinne also ein "Kind der Liebe" ist, kann sie jedoch auch zu einem "Feind der
Liebe" werden. Dies geschieht dann, wenn PartnerInnen einer Person, die häufig,
intensiv und/oder bei relativ harmlosen Anlässen eifersüchtig wird,
diese Eifersucht als Zeichen des Mißtrauens und als Einschränkung ihrer
persönlichen Freiheit erleben. Da Eifersucht auch diese negativen Aspekte
hat, gab es immer auch Versuche, dieses Gefühl aufzugeben. In der radikalsten
Form würde eine Aufgabe von Eifersucht eine grundsätzliche Veränderung
von romantischer Liebe bedeuten: Wenn man sich von der Vorstellung verabschieden
könnte, romantische Liebe sei unteilbar, dann wäre Eifersucht "überflüssig".
In westlichen Kulturen mit dem Ideal der unteilbaren, romantischen Liebe gehen
Bemühungen, Eifersucht einzuschränken, jedoch weniger weit. So versucht
die amerikanische Lebensgemeinschaft "Kerista-Village" eine nicht-monogame Lebensform
zu verwirklichen. In Kerista-Village leben mehrere Frauen und Männer zusammen
und unterhalten zu allen gegengeschlechtlichen Personen der Gemeinschaft gleichwertige
Liebes- und sexuelle Beziehungen. Auch diese anscheinend eifersuchtsfreie Gemeinschaft
verzichtet jedoch nicht völlig auf die Vorstellung von der Exklusivität
von Liebesbeziehungen. Vielmehr verpflichten sich ihre Mitglieder zur Treue gegenüber
der Gruppe, sexuelle oder Liebesbeziehungen außerhalb der Gruppe werden
ihnen nicht zugestanden.
Eine andere Möglichkeit, die Exklusivitätsnorm von Liebesbeziehungen
abzuschwächen, besteht in der Entkopplung von Liebe und Sexualität.
So verfügen viele Paare, die sich gegenseitig sexuelle "Untreue" zugestehen,
über Normen, die die emotionale Besonderheit der Liebesbeziehung sichern.
Solche Normen schreiben z. B. vor, daß dem Partner einer sexuellen Eskapade
keine Liebeserklärung gemacht werden darf.
Aber auch in Liebesbeziehungen, die an dem Ideal der sexuellen und emotionalen
Exklusivität festhalten, kann Eifersucht in vielen Situationen vermieden
oder gemildert werden. Wenn wir das Leerstellengefüge der Eifersucht unter
diesem Gesichtspunkt betrachten, dann werden Ansätze zur Vermeidung von Eifersucht
vor allem in dem Bereich "Tat" deutlich. Auch ein Paar, das an dem Ideal der Exklusivität
der Liebe und Sexualität festhält, kann sich kritisch fragen, welche
Verhaltensweisen des anderen diese Exklusivität tatsächlich grundlegend
bedrohen können. So kann ein Paar, das öfter mit Eifersucht zu kämpfen
hat, überlegen, ob es seine Auschließlichkeitsstandards abmildern kann.
Verhaltensweisen, die bisher als "Eifersuchtsanlaß" bewertet wurden (etwa
die Unterhaltung des Partners mit einer dritten Person), könnten nach einer
Veränderung der absoluten Ansprüche an die Ausschließlichkeit
der Liebesbeziehung gelassener, als nicht bedrohlich und tolerierbar gesehen werden.

Die Autorin
Dr. Annette Schmitt (34), studierte Psychologie an der Universität Heidelberg.
Von 1990 bis 1995 war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut
zur Erforschung von Mensch-Umwelt-Beziehungen im Fachbereich
5 Philosophie, Psychologie, Sport der Universität Oldenburg. Sie arbeitete
in der Forschungsgruppe "Emotion und Kommunikation" und promovierte über
das Thema "Logographie der Eifersucht". Seit Oktober 1996 ist sie als Stipendiatin
der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) in dieser Gruppe tätig.
Kontakt: Dr. Annette
Schmitt, Tel. 0421/593997

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