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Pressedienst:
März 1996
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28. März 1996/85/96
Vor der Küste hat das Frühjahr schon begonnen
Oldenburg. Ein für diese Jahreszeit ungewöhnliches Phänomen
entdeckten etwa 30 Wissenschaftler mehrerer Forschungsinstitute, darunter
auch das Institut für Chemie und Biologie des Meeres (ICBM) der
Universität Oldenburg, in der Deutschen Bucht: Eingerahmt von Eisbarrieren
entlang der Küste, ist die Frühjahrsplanktonblüte bereits
in vollem Gange. Das langanhaltende Frostwetter habe, so die Wissenschaftler,
nicht nur die Wassertemperaturen gesenkt, sondern auch bei ablandigen Winden
oder ruhigen Wetterlagen dafür gesorgt, daß das Sonnenlicht bis
tief unter die Wasseroberfläche eindringen konnte, so daß der
Einfluß der niedrigen Temperaturen mehr als kompensiert wurde. Trotz
des unter 0° C kalten Wassers hätten sich daher schon jetzt
außergewöhnlich hohe Algenbestände gebildet.
Die umfassenden Untersuchungen des Planktons in der Deutschen Bucht fanden
zwischen dem 22. Februar und 11. März 1996 im Rahmen des
Gemeinschaftsprojekts KUSTOS (Küstennahe Stoff- und Energieflüsse
- Der Übergang Land-Meer in der südöstlichen Nordsee), das
vom Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft, Technologie und Forschung
(BMBF) gefördert wird, statt. Beteiligt waren Hubschrauber und mehrere
Schiffe, wie die VALDIVIA der Universität Hamburg. Untersucht wurden
die Einflüsse des ungewöhnlich langanhaltenden Winters auf die
Planktonentwicklung vor der Küste im Zusammenhang mit meteorologischen
Effekten, Strömungen und chemischen Einträgen aus den Flüssen.
Schon bei den ersten Untersuchungen entdeckten die Wissenschaftler ein besonders
hohes Aufkommen der "supergroßen" Kieselalge Coscinodiscus wailesii
mit ihren typischen, immerhin bis zu 0,4 mm großen tonnenförmigen
Zellen. Sie sei erst vor einigen Jahren in die Küstengewässer
eingewandert oder durch Ballastwasser eingeschleppt worden. Die ebenfalls
mikroskopisch großen Krebstiere, das Zooplankton, hätten sich
bereits auf das reichliche Nahrungsangebot eingestellt und mit einer
verstärkten Eiproduktion begonnen. Die ausschlüpfenden Larven
würden sich dann nachhaltig über die Algen hermachen.
Durch den Vergleich mit vorausgegangenen, ähnlichen Untersuchungen zu
anderen Jahreszeiten werde es möglich sein, so die Wissenschaftler,
die wechselnden Einflüsse von Strömungen,
Nährstoffeinträgen und Wetter auf die Transporte und
Planktonentwicklung besser zu verstehen und daraus Empfehlungen für
die weitere Verminderung der Überdüngung der Küstengewässer
zu geben.
Pressekontakt: Dr. Claus-Dieter Dürselen, Institut für Chemie
und Biologie des Meeres (ICBM) der Universität Oldenburg, Tel.:
0441/798-3269

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28. März 1996/84/96
Personalratswahlen ohne Überraschungen
Oldenburg. Am 18. März wurde der Personalrat der Universität neu
gewählt. Das dreizehnköpfige Gremium bestätigte Bernd Wichmann
vom Dezernat 4 Betriebstechnik, Haus- und Grundstücksverwaltung, als
Vorsitzenden. Wichmann ist bereits seit 1984 Mitglied des Personalrats. Jeweils
zwei VertreterInnen der ArbeiterInnen und BeamtInnen sowie neun VertreterInnen
der Angestellten stellen die Interessenvertretung der Beschäftigten
der Universität.
Die Personalratswahl selbst verlief ohne große Überraschungen,
da - wie bisher - nur VertreterInnen der Gewerkschaften Öffentliche
Dienste, Transport und Verkehr (ÖTV) und Erziehung und Wissenschaft
(GEW) auf Einheitslisten kandidierten. Bei den Angestellten vereinigte Eberhard
ten Brink mit 217 die meisten Stimmen auf sich, gefolgt von Wilma Hentschel
(206), Waltraud Dörge (157), Karin Danlowski (153), Elke Gloos (143),
Manuela Sassen (128), Roswitha Tokler (120), Axel Kleinschmidt (114) und
Ingrid Kersten (109). Bei den BeamtInnen war Ute Hermannsen mit 40 Stimmen
vor Hans-Jürgen Otto mit 17 Stimmen erfolgreich. Die ArbeiterInnen
wählten Bernd Wichmann mit 60 Stimmen vor Klaus Haferkamp mit 41 Stimmen.

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27. März 1996/83/96
Personalien aus der Universität
Oldenburg. Dr. Rüdiger W. Brause ist mit der Verwaltung einer
Professorenstelle für Praktische Informatik am Fachbereich 10 Informatik
beauftragt worden. Brause studierte Physik und Kybernetik in Saarbrücken
und Tübingen. In Tübingen setzte er seine Forschungsarbeit an dem
fehlertoleranten Multi-Mikorpozessorsystem AAT-TEMPTO fort und promovierte
hier 1983. Ab 1985 lehrte er als Akademischer Rat an der Universität
Frankfurt Parallele Systeme und Neuroinformatik, worüber er sich 1993
hier habilitierte. Brause ist Autor eines Lehrbuches über Neuronale
Netze und Vorsitzender der diesjährigen IEEE Conference on Tools for
Artificial Intelligence.
Dr. Wolfgang Grams vom Institut für Politikwissenschaft II hat das Projekt
"Routes to the Roots" auf der Internationalen Tourismusbörse in Bern,
ITB, im Rahmen des Wissenschaftsforums vorgestellt. "Routes to the Roots"
entwickelt Routen für amerikanische Deutschland - und Europareisende.
Ebenfalls auf der ITB wurde die zukünftige Zusammenarbeit mit der Deutschen
Zentrale für Tourismus in Frankfurt und New York vorgestellt.
Prof. Dr. Klaus Hinsch, Hochschullehrer für Exerimentalphysik, ist zum
Dekan des Fachbereichs 8 Physik gewählt worden. Er löst Dr. Falk
Ries ab. Hinsch studierte und promovierte in Göttingen, wo er bis 1978
als Wissenschaftlicher Assistent tätig war. Danach nahm er einen Ruf
an die Universität Oldenburg an, wo er eine Arbeitsgruppe in
Kohärenter Optik aufbaute. Seine Arbeitsgebiete sind die Holographie,
Optische Meßtechnik und Anwendungen umweltbezogener Fragestellungen.
Außerdem ist Hinsch Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für
Angewandte Optik. 1980 und 1991 nahm er Gastprofessuren in China und Indien
wahr. Hinsch war bereits 1989/90 Dekan des Fachbereichs Physik.
Prof. Dr. Freia Hoffmann, Hochschullehrerin für Musikpädagogik,
ist zur Dekanin des Fachbereichs 2 Kommunikation/Ästhetik gewählt
worden. Sie löst Prof. Dr. Ingrid Köller ab. Hoffmann studierte
zunächst Meisterflöte, danach Lehramt für Musik und Deutsch
an der Musikhochschule Freiburg, wo sie auch promovierte. Nach
Berufstätigkeit in Schule, Musikschule und Rundfunk war sie von 1980
bis 1988 Wissenschaftliche Mitarbeiterin bzw. Hochschulassistentin an der
Oldenburger Universität und bis 1992 Lehrende in Hildesheim. 1988
habilitierte sich Hoffmann in Oldenburg für das Fachgebiet
Musikpädagogik. Ihre Forschungsschwerpunkte sind u. a. Liedformen des
18. und 19. Jahrhunderts und musikhistorische und musikpädagogische
Frauenforschung.
Prof. D. Ulrich Kattmann ist zum Dekan des Fachbereichs 7 Biologie gewählt
worden. Er löst Prof. Dr. Peter Janiesch ab. Kattmann, Humanbiologe
und Didaktiker der Biologie, studierte in Kiel Anthropologie und in
Tübingen Biologie, Chemie und Evangelische Theologie sowie in Kiel
Anthropologie und Pädagogik. Dort promovierte er und arbeitete am Institut
für Pädagogik der Naturwissenschaften (IPN). Seit 1982 lehrt Kattmann
in Oldenburg. 1985 bis 1987 war er bereits Dekan des Fachbereichs Biologie.
1988/89 wurde er zum 1. Vizepräsidenten der Universität gewählt.
Danach übernahm er bis 1992 die Leitung des Instituts für Chemie
und Biologie des Meeres. Kattmanns Forschungsschwerpunkte sind ethische Fragen
in der Biologie und Didaktische Rekonstruktionen zentraler Begriffe.
Prof. Dr. Wolfgang H. Nebel ist zum Dekan des Fachbereichs 10 Informatik
gewählt worden. Er tritt die Nachfolge von Prof. Dr. Werner Damm an.
Nebel, Hochschullehrer für Technische Informatik, studierte in Hannover
Elektrotechnik und promovierte in Kaiserslautern zum Dr. Ing. Bevor er 1993
den Ruf nach Oldenburg annahm, war er Leiter der CAD-Software Entwicklung
bei der Hamburger Philips GmbH. Seine Forschungsschwerpunkte sind u. a.
Spezifikationsverfahren komplexer Systeme, Entwicklungsmethoden und CAD-Werkzeuge
für energiesparende integrierte Schaltungen ("Ökochips").
Prof. Dr. Holger Reinisch ist zum Dekan des Fachbereichs 4 Wirtschafts- und
Rechtswissenschaften gewählt worden. Er löst Prof. Dr. Laurenz
Lachnit ab. Reinisch studierte Wirtschaftspädagogik, Wirtschafts- und
Sozialgeschichte und Politologie an der Universität Hamburg. Bevor er
dort promovierte, war er bis 1978 als Wissenschaftlicher Assistent tätig
Von 1979 bis 1992 lehrte er im Rahmen der Handelslehrerausbildung in Oldenburg
und habilitierte sich. 1993 lehnte Reinisch einen Ruf auf die
Gründungsprofessur für Wirtschaftpädagogik an der
Universität Leipzig ab. Im Wintersemester 1994/995 vertrat Reinisch
einen Lehrstuhl für Pädagogik, insbesondere Wirtschaftspädagogik
an der Universität Erlangen.

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27. März 1996/82/96
Film über Tschernobyl in der Universität
Oldenburg. Die Mediothek der Universität Oldenburg zeigt am 26. April
1996 um 11.00 Uhr im Vortragssaal der Bibliothek den Dokumentarfilm "Tschernobyl
- Eine Schwelle", der sich künstlerisch mit den Folgen der
Reaktorkatastrophe auseinandersetzt. Der Film versteht sich als Aufruf wider
das Vergessen. Er prangert den "Behördenschlendrian" sowie die
Beschwichtigungsversuche an und zeigt die innenpolitische Sprengkraft der
Havarie. Der Eintritt ist frei.

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22. März 1996/81/96
Informationsveranstaltung zu "Nichtnuklearen Energien"
Oldenburg. Am 3. April 1996 findet am Standort Wechloy, Raum W2 1-143, um
13.00 Uhr eine Informationsveranstaltung zu einer Sonderausschreibung im
Forschungsprogramm "Nichtnukleare Energien" der Europäischen Kommission
statt. Sie wendet sich an WissenschaftlerInnen, die sich an dem Programm
beteiligen wollen. Die Veranstaltung wird vom EG-Hochschulbüro Weser-Ems
organisiert (Anmeldung bis zum 29. März 1996, Tel. 04 41 / 798-2914/13).

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22. März 1996/80/96
Die 100. Promotion im Fachbereich Biologie der Universität
Oldenburg. Mit dem Thema "Blaualgen im Wattenmeer" befaßt sich eine
Doktorarbeit am Fachbereich Biologie der Carl von Ossietzky Universität
Oldenburg, die heute (21.3.1996) mit der Disputation, dem mündlichen
Vortrag, abgeschlossen wird. Promoviert wird die Hydrobiologin Katarzyna
Palinska, die an der Universität Danzig studiert hat und jetzt der
Arbeitsgruppe Geomikrobiologie von Prof. Dr. Wolfgang E. Krumbein angehört.
Damit wird seit Bestehen des Fachbereichs zum 100. Mal der Grad eines Doktors
bzw. einer Doktorin der Naturwissenschaften (Doctor rerum naturalium) verliehen.
Nach Auffassung von Prof. Dr. Wilfried Wackernagel, dem Vorsitzenden des
Promotionsausschusses des Fachbereichs, ist es unbestritten, daß die
Biologie mit ihrer Grundlagen- und Anwendungsforschung für die
wirtschaftliche und gesellschaftliche Zukunft die maßgeblichen
Beiträge liefern wird. Die Schwerpunkte im Fachbereich Biologie seien
unter anderem die Umweltwissenschaften mit der Landschaftsökologie und
der Meeres- und Küstenforschung und die Zellbiologie mit Schwerpunkten
in der Genetik, der Mikrobiologie sowie der Neurobiologie mit
Kognitionsforschung. Die Forschungsleistungen in diesen Schwerpunkten wären
nicht möglich, so Wackernagel, ohne die engagierte Mitarbeit der
Promovenden. Sie lieferten unter der Anleitung der Hochschullehrer und
Hochschullehrerinnen wesentliche Beiträge zu den einzelnen
Forschungsprojekten. Über die Universität Oldenburg hinaus habe
dies zum beachteten Ruf des Fachbereiches Biologie in der Bundesrepublik
beigetragen.
1981 fand die erste Promotion im Fachbereich statt. Danach stieg die Zahl
an und hat sich seit 1990 auf 10 bis 15 Promotionsabschlüsse pro Jahr
eingestellt. Die meisten Promovierten sind nach dem Abschluß eines
Biologie-Diplomstudiums in die Promotion eingestiegen. Diese dient dem Nachweis
der Befähigung zu vertiefter selbständiger wissenschaftlicher Arbeit.
Entsprechend muß die Dissertation eine beachtenswerte wissenschaftliche
Leistung darstellen. In einer eingehenden mündlichen Prüfung
(Disputation) müssen die Forschungsergebnisse gegen kritische Einwendungen
verteidigt und gegenteilige Auffassungen theoretisch fundiert behandelt werden.
Das Durchschnittsalter zum Zeitpunkt der Disputation beträgt
gegenwärtig 34,5 Jahre, die jüngsten Personen waren bisher 28 Jahre,
die älteste Person 60. Besonders erfreulich ist, so Wackernagel, daß
Frauen unter den erfolgreichen Abschlüssen mit 35 Prozent stark vertreten
sind. Der Anteil ausländischer Promovierter liegt bei 10 Prozent. Die
Zeitspanne für die Anfertigung einer experimentellen Doktorarbeit
beträgt etwa 4,5 Jahre. Der größte Teil der Promovierten
wird anschließend in der wissenschaftlichen Forschung tätig, viele
auch im Anwendungsbereich, z.B. in der Industrie.
Die große Zahl der Promotionen werfe ein Schlaglicht auf die hohe
Forschungsintensität im Fachbereich Biologie, so Wackernagel. Im
Zusammenhang mit den Promotionen sei das beachtliche Aufkommen an eingeworbenen
Drittmitteln besonders hervorzuheben. Nur etwa 20 Prozent der Absolventen
und Absolventinnen hatten Stellen des Landes bzw. der Universität inne,
die übrigen Promotionen wurden dank eingeworbener Forschungsmittel
möglich. Dabei dienen die eingeworbenen Mittel nicht nur dem Lebensunterhalt
der jungen Wissenschaftler oder Wissenschaftlerinnen bereit, sondern
ermöglichen außerdem die erheblichen Aufwendungen für die
Beschaffung von modernen Forschungsgeräten und -materialien. Er
wünsche sich, so Wackernagel, daß die Entwicklung des Faches Biologie,
wie sie sich erfreulich anhand der erfolgreichen Promotionen darstellt, auch
zukünftig anhält.
Pressekontakt: Prof. Dr. Wilfried Wackernagel, Vorsitzender des
Promotionsausschusses des Fachbereich 7 Biologie, Tel. 0441/798-3298.

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22. März 1996/79/96
Gasthörerverzeichnis für das Sommersemester '96
Oldenburg. Das neue GasthörerInnenverzeichnis zum Studium generale der
Universität ist jetzt für das Sommersemester ´96 erschienen.
Wie in den vergangenen Jahren haben Interessierte im kommenden Semester die
Möglichkeit, sich im Studium generale aus weit über 100 Veranstaltungen
fast aller Fachbereiche ein individuelles Studienprogramm zusammenzustellen.
Sie müssen lediglich einen Zulassungsantrag ausfüllen und eine
Semestergebühr von 100 DM entrichten.
Die Broschüre zum Studium generale kann im Buchhandel oder direkt beim
Zentrum für Wissenschaftliche Weiterbildung (ZWW) für 3 DM erworben
werden. Schriftliche Bestellungen an: ZWW, Universität Oldenburg, 26111
Oldenburg, unter Beilegung von 7 DM in Briefmarken. Telephonische Auskünfte
unter Tel.: 0441 / 989-2275.

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20. März 1996/78/96
Orientierungskurse für Studieninteressierte
Oldenburg. Das Zentrum für wissenschaftliche Weiterbildung (ZWW) der
Universität Oldenburg bietet für alle StudieninteressentInnen
Orientierungskurse an. Die Kurse richten sich an alle, die studieren wollen,
sich aber in ihrer Studienfachwahl nicht ganz sicher sind und diese durch
nähere Informationen und Einblicke absichern wollen. Das Angebot betrifft
die Studiengänge Pädagogik, Psychologie, Wirtschaftswissenschaften,
Biologie, Chemie und Physik. Die jeweils zehn Unterrichtsstunden umfassenden
Kurse finden Ende April/Anfang Mai an den Wochenenden statt. Nähere
Informationen: ZWW, Dr. Gudrun Stenzel, Tel.: 0441/ 798-2275, Fax -4411.

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20. März 1996/77/96
Studie: S-Bahn wäre für Region Oldenburg attraktiv
Oldenburg. Zum Thema "S-Bahn in der Region Oldenburg? -
Mathematisch-raumplanerische Modelle" fand an der Carl von Ossietzky
Universität Oldenburg im Wintersemester 1995/96 ein Seminar unter der
Leitung von Prof. Dr. Ulrich Knauer (Fachbereich 6 Mathematik) und Prof.
Dr. Peter Singer (Institut für öffentliche Planung am Fachbereich
3 Sozialwissenschaften) statt. Studierende der Mathematik und der Raumplanung
untersuchten gemeinsam Möglichkeiten für ein schienengebundenes
S-Bahn-System in Oldenburg und Umgebung. Das Projekt ist ein Beitrag der
Universität zur politischen Diskussion über ein verbessertes Angebot
im öffentlichen Personennahverkehr im Zusammenhang mit der vorgesehenen
Kommunalisierung von Bahndiensten.
Der nunmehr vorliegende Abschlußbericht faßt die Ergebnisse des
fächerübergreifenden Seminars zusammen. Die mathematisch und grafisch
ermittelten Fahrpläne lassen erkennen, daß eine stündliche
Bedienung durch Schienenfahrzeuge auf den vorhandenen Strecken in das Regional-
und Fernangebot der Deutschen Bahn AG integriert werden kann. Mit nur
gerinfügigen Modifikationen wäre sogar ein Halbstundentakt
realisierbar. Dabei wurden Verbindungen von (Ocholt-) Bad Zwischenahn - Oldenburg
Hbf - Sandkrug (-Huntlosen) bzw. Rastede - Oldenburg Hbf - Bookholzberg (-Hude)
zugrundegelegt. Bei der Berechnung der Betriebskosten wurde von Dieselantrieb,
17stündiger Bedienung pro Tag, Fahrtgeschwindigkeit von 45 km/h sowie
entsprechenden Personal- und Wartungskosten ausgegangen. Es ergaben sich
Betriebskosten von 1,67 DM/km. Das heißt, daß bei einem Fahrpreis
von 0,20 DM pro Kilometer eine durchschnittliche Auslastung mit acht bis
neun Fahrgästen erforderlich wäre.
Der raumplanerische Anteil an der Untersuchung bestand in der detaillierten
Ermittlung der Siedlungsstruktur und der kleinräumigen
Bevölkerungsverteilung im Einzugsbereich der Schienenwege (500 m) innerhalb
des Stadtgebietes. Trotz ungleicher Dichte in den Stadtteilen ergibt die
Untersuchung, daß für fast 90.000 Einwohner Oldenburgs eine
Erschließung an den schienengebundenen Nahverkehr attraktiv wäre.
Auf dieser Grundlage wurden neben dem Hauptbahnhof als Zentrum des Systems
zusätzliche Haltepunkte im Stadtgebiet vorgeschlagen und in den
Fahrplänen berücksichtigt, die entweder dichtbesiedelte Wohngebiete
erschließen oder besonders hervortretende Zielstandorte anbinden
(Universität Wechloy). Mit der Erschließung der am Stadtrand
entstandenen Siedlungsschwerpunkte, die z.T. zu den Nachbargemeinden
gehören, erhöht sich die Auslastung. Das konzipierte System verbindet
die Außenbezirke mit dem Stadtzentrentum sowie dem Nah-, Regional-
und Fernverkehr und es dient dem Pendel-, Einkaufs- und Freizeitverkehr.
Zur Steigerung der Attraktivität ist die Verknüpfung mit dem
innerstädtischen Busverkehr zweckmäßig. Vorschläge dazu
sollen in einer Fortsetzung des Seminars im Sommersemester 1996 erarbeitet
werden.

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18. März 1996/76/96
Studienführer der Universität Oldenburg
Oldenburg. Erstmalig hat die Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
einen Studienführer herausgebracht. Das 250 Seiten starke Buch, das
von der Zentralen Studienberatung zusammengestellt wurde, wendet sich an
alle, die sich für ein Studium an der Oldenburger Universität
interessieren - also SchülerInnen und AbiturientInnen, Z-Prüflinge
(Zulassungsprüfung ohne Abitur), StudienortwechslerInnen oder Personen,
die ohne Abitur oder Z-Prüfung ein Studium mit einer bestimmten beruflichen
Vorbildung anstreben. Der Studienführer enthält ausführliche
Informationen über die einzelnen Studienfächer und Studiengänge,
Bewerbungs- und Zulassungsverfahren sowie über Stipendien und
Studienmöglichkeiten im Ausland. Die sozialen Einrichtungen, wie das
Studentenwerk, sowie Geschichte und Struktur der Universität sind weitere
Schwerpunkte. Der Studienführer ist für 5,-- DM im örtlichen
Buchhandel erhältlich.
Kontakt: Zentrale Studienberatung der Carl von Ossietzky Universität
Oldenburg, 26111 Oldenburg, Tel. 0441/798-4405, Fax -3722.

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14. März 1996/75/96
Step across the Border
Oldenburg. Die Frage nach den Zusammenhängen zwischen der Entwicklung
neuer musikalischer Trends und Veränderungen in den Massenmedien steht
im Mittelpunkt einer Tagung mit dem Titel "Step across the border", die vom
31. Mai bis 2. Juni1996 an der Universität Oldenburg stattfindet. Erwartet
werden WissenschafterInnen aus dem In- und Ausland sowie Vertreterlnnen aus
der Musik- und Medienbranche. Veranstalter der Tagung, die von der Fritz
Thyssen Stiftung und der Stiftung Niedersachsen gefördert wird, ist
der "Arbeitskreis Studium Populäre Musik e.V." (Hamburg) in Zusammenarbeit
mit dem Fach Musik an der Universität, Radio Bremen und der deutschen
Sektion der "International Association for Study of Popular Music" (IASPM.).
Nähere Informationen über die Tagung gibt es im Internet unter
"www.uni-oldenburg.delmusik/aspm.html" oder beim Sekretariat des Faches Musik
der Universität Oldenburg, 26111 Oldenburg.
Kontakt: Prof. Dr. Fred Ritzel u. Dr. Thomas Münch, Tel.:
0441/798-2007, Fax: 0441/798-4016

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14. März 1996/74/96
Gesellschaft zur Forschungsförderung für Menschen mit geistiger
Behinderung gegründet
Oldenburg. "Eine Deutsche interdisziplinäre Gesellschaft zur Förderung
der Forschung für Menschen mit geistiger Behinderung" (DIFGB) ist heute
in der Universität Oldenburg von WissenschaftlerInnen aus zehn
Universitäten gegründet worden. Die Initiatoren versprechen sich
von einem solchen Zusammenschluß u. a. Initiativen zur
interdisziplinären Erforschung von wissenschaftlich unzulänglich
oder überhaupt noch nicht bearbeiteten Fragestellungen; eine effektivere
Nutzung vorhandener Forschungsressourcen; einen erhöhten Einfluß
im gesellschaftlichen ethischen Diskurs sowie in der wissenschaftlichen Politik-
und Verbändeberatung. Dem ersten Vorstand gehören Prof. Dr. Martin
Hahn (Humboldt-Universität Berlin), Prof. Dr. Walter Thimm
(Universität Oldenburg), Prof. Dr. Helgard Rauh (Universität Potsdam),
Prof. Dr. Gerhard Neuhäuser (Universität Gießen) und Dr.
Theo Frühauf (Bundesvereinigung Lebenshilfe) an.
Die Gesellschaft fühle sich dabei der umfassenden Sicherung der
Menschenwürde von Menschen mit geistiger Behinderung verpflichtet, betonte
dazu der Oldenburger Sonderpädagoge Prof. Dr. Walter Thimm. Forschungen
zur geistigen Behinderung beträfen die Lebensverhältnisse von
schätzungsweise 350 000 Menschen aller Altersstufen in Deutschland.
International gibt es seit längerem wissenschaftliche Vereinigungen,
die sich der interdisziplinären Vernetzung von u. a. medizinischer,
sozialwissenschaftlicher, psychologischer und erziehungswissenschaftlicher
Forschung zum Problemfeld "Mental Retardation" widmen. Im deutschsprachigen
Raum fehlte bislang eine solche Vereinigung. Die DIFGB soll nicht nur diese
Lücke schließen, sondern damit auch eine bessere internationale
Anbindung ermöglichen.
In einem ersten Expertengespräch diskutierten die
GründungsteilnehmerInnen wissenschaftsmethodische Probleme von Praxis-
und Sozialpolitikbegleitforschung, Forschung zur Situation von Familien mit
behinderten Kindern und das Problem psychischer Auffälligkeiten bei
Menschen mit geistiger Behinderung (Dual Diagnosis).
Kontakt: Prof. Dr. Walter Thimm, Institut für Sonderpädagogik,
Prävention, Rehabilitation, Tel.: 0441/798-2175, priv. 04486/2618

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13. März 1996/73/96
Größter Frauen-und-Schule-Kongreß in Oldenburg
"Es stimmt zwar, daß es gegenwärtig keine großen Bewegungen
von Frauen mit den Füßen auf den Straßen gibt wie noch zur
Zeit des § 218. Dafür gibt es aber eine umso größere
und stärkere Frauenbewegung mit Kopf, Herz und Hand in der Praxis".
So erklärt die Oldenburger Pädagogin, Prof. Dr. Astrid Kaiser,
den großen Andrang auf den 10. Bundeskongreß "Frauen und Schule",
der vom 7. bis 9. März unter dem Motto "FrauenStärken ändern
Schule" in der Universität Oldenburg stattfand. Mehr als 700 Teilnehmerinnen
aus allen Bundesländern, der Schweiz und Österreich nahmen am
Hauptprogramm mit über 80 Einzelveranstaltungen teil. Hinzu kamen 400
Schülerinnen, die am eigens angebotenen Schülerinnenkongreß
am 8. März teilnahmen.
Eine stärkere, praxisnahe Frauenbewegung bedeute aber nicht, daß
Frauen keine gegenseitige Unterstützung in der Praxis bräuchten,
betonte Kaiser. Deshalb liege der Erfolg des Kongresses nicht nur in den
außerordentlich konstruktiven Diskussionen, sondern vor allem auch
in den vielen geknüpften Netzwerken von Frauen. Das Motto
"FrauenStärken - ändern Schule" fange an, immer breiter in die
Praxis hineinzuwirken.
Daß Schule nach wie vor eine patriachalische Institution ist, hoben
die bekannten Wiener Autorinnen Cheryl Benard und Edit Schlaffer in ihrem
Eröffnungsvortrag hervor. Zäh wie Gummi, massiv wie ein Gebirge
habe sich die alte Geschlechterordnung unbeirrt in weitere Dekaden
hinübergerettet. Das Patriarchat stehe immer noch auf dem heimlichen
Lehrplan der Schulen und sei immer noch in den Lehrbüchern verbreitet.
Weitere prominente Kongreßgäste waren u.a. die niedersächsische
Frauenministerin, Christina Bührmann, die ehemalige niedersächsische
Frauenministerin, Waltraud Schoppe und die Staatssekretärin im
Kultusministerium, Renate Jürgens-Pieper.
Den Bundeskongreß nutzen auch die Frauenbeauftragten aus dem Schulbereich
für ihre 1. Bundesversammlung. Auf Initiative von Monika Dobkowitz,
Gesamtfrauenvertreterin im Landesschulamt Berlin, kamen mehr als 50
Gleichstellungsbeauftragte und interessierte Kolleginnen aus allen
Bundesländern zu einem ersten Erfahrungsaustausch zusammen. Die Frauen
begrüßten, daß durch die lnstitutionalisierung von
Frauenbeauftragten die Frauenförderung im Schulbereich vorangetrieben
werde. Häufig würden die Gleichstellungsgesetze von den Dienststellen
jedoch blockiert, hieß es auf der Versammlung. Wirkungsvolle Sanktionen
bei Verstößen seien daher gefordert. Die wichtige Arbeit der
Frauenbeauftragten müsse durch verbesserte Rahmenbedingungen wie die
vollständige Freistellung für diese Aufgabe, Festlegung einer
Obergrenze von Beschäftigten und einer adäquaten finanziellen
Ausstattung gestärkt werden.
Kontakt: Prof. Dr. Astrid Kaiser, Fachbereich 1 Pädagogik, Tel.:
798-2032

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13. März 1996/72/96
Wie hören Jugendliche Radio?
Oldenburg. In einer vergleichenden Ost-West-Hörfunkstudie werden nach
den Osterferien 850 Schülernnen und Schüler aus den Bereichen Oldenburg
und Chemnitz über ihre Hörgewohn-heiten befragt. Die von der Deutschen
Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderte Studie zur "jugendlichen
Medienaneignung" untersucht, wie Jugendliche aktiv Medien zur Bewältigung
ihres Alltags nutzen. Die Leitung des Projekts liegt in den Händen des
Sozialwissenschaftlers Prof. Dr. Klaus Boehnke (Technische Universität
Chemnitz) und des Musikwissenschaftlers Dr. Thomas Münch (Universität
Oldenburg ).
Am Mittwoch, 20. März 1996, findet um 15.00 Uhr im Kammermusiksaal der
Universität Oldenburg eine Informationsveranstaltung statt, in der die
Konzeption der Studie insbesondere LehrerInnen und Angehörigen der
Schulverwaltung vorgestellt werden soll. Aber auch für andere Interessierte
ist die Veranstaltung offen.
Kontakt: Dr. Thomas Münch, FB 2 Kommunikation / Ästhetik,
Tel.:0441/798-2007

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13. März 1996/71/96
Oldenburger Physiker veranstalten Seminar in Neu-Delhi
Oldenburg. Der Ergänzungsstudiengang "Grundlagen der Nutzung regenerativer
Energiequellen" - (Renewable Energies) des Fachbereichs Physik der
Universität Oldenburg veranstaltet vom 18. bis 23. März 1996 ein
Seminar am TERI-Institut für Umwelt- und Ernergieforschung in der indischen
Hauptstadt Neu-Delhi. Mit Unterstützung des Deutschen Akademischen
Austauschdienstes (DAAD) haben mehr als zwanzig AbsolventInnen dieses
Studiengangs, die aus der Dritten Welt kommen, die Möglichkeit, sich
untereinander und mit ihren ehemaligen Dozenten über neue Entwicklungen
im Bereich der Physik erneuerbaren Energien auszutauschen.
Das einwöchige Seminar ist nach Nairobi 1993 bereits die zweite
Veranstaltung dieser Art und ein wichtiger Teil der Bemühungen, mit
den AbsolventInnen dauerhaft in Kontakt zu bleiben.

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12. März 1996/70/96
Personalien aus der Universität
Oldenburg. Prof. Dr. Wolfgang Nebel, Informatiker an der Universität
Oldenburg und am Informatikinstitut OFFIS, ist für das wissenschaftliche
Programm des 6. PATMOS Workshops in Bologna, Italien, verantwortlich. PATMOS
steht für Power and Timing - Modellierung, Simulation und Optimierung
von Mikroelektronik und hat sich seit mehreren Jahren als wichtigster
europäischer Treffpunkt von Computer-Experten zum Thema Senkung des
Energieverbrauchs und Geschwindigkeitsoptimierung von Mikrochips etabliert.
Im letzten Jahr war Nebel Organisator des PATMOS-Workshops in Oldenburg,
bei dem mehr als 60 Wissenschaftler aus Europa, den USA, Japan und Brasilien
die jüngsten Forschungsergebnisse auf der Suche nach dem "Öko-Chip"
diskutierten.

Oldenburg. Dr. Marita Bombek, Textilwissenschaftlerin am Fachbereich 2
Kommunikation/Ästhetik der Universität Oldenburg, hat den Ruf auf
eine Professur für "Kunst und Kulturgeschichte von Textilien" an die
Universität Köln angenommen. Bombek, die in Oldenburg Kunst,
Arbeitslehre und Textilwissenschaften studierte, arbeitete seit 1982 als
wissenschaftliche Mitarbeiterin im Fach Textil- und Bekleidungstechnik, wo
sie 1994 promovierte.

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11. März 1996/69/96
Weiterbildung "Integrative Gestaltarbeit"
Oldenburg. Das Zentrum für wissenschaftliche Weiterbildung (ZWW) bietet
zum vierten Mal eine dreieinhalbjährige berufsbegleitende Weiterbildung
mit dem Titel "Integrative Gestaltarbeit für soziale Berufe" an. Adressaten
sind MitarbeiterInnen aus sozialen, pädagogischen und psychologischen
Berufsbereichen, die ihre persönliche, soziale und professionelle Kompetenz
erweitern möchten, um den ständig wachsenden Anforderungen und
Belastungen in ihren Berufen gewachsen zu sein. Voraussetzung für die
Teilnahme an der Weiterbildung ist ein abgeschlossenes Hochschul- oder
Fachhochschulstudium, z.B. aus den Bereichen Pädagogik, Sozial- oder
Sonderpädagogik, Sozialwissenschaft oder Psychologie. Anmeldungen
müssen bis zum 31. März 1996 abgegeben werden.
Weitere Informationen: Universität Oldenburg, ZWW, Abteilung für
psychosoziale Weiterbildung, Dipl.-Psych. Joseph Rieforth, 26111 Oldenburg,
Tel.: 0441/798-2268/ oder -4425, Fax: 0441/798-4411.

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11. März 1996/68/96
Studie der Universität Oldenburg. - Große Probleme bei der Lagerung
von Biodiesel
Oldenburg. Raps als nachwachsender Rohstoff erlangte seine große Bedeutung
für die europäische Agrarwirtschaft nach den beiden Ölkrisen
in den 70er Jahren. Pflanzenöle, die zuvor nur für die
Nahrungsmittelproduktion interessant waren, wurden auf ihre Eignung als Ersatz
für Dieselkraftstoff getestet. Dabei standen zwei prinzipiell
unterschiedliche Verfahren zur Disposition. Einerseits kann der
Kraftfahrzeugmotor dem neuen Kraftstoff aus Pflanzenöl angepaßt
werden, andererseits kann das Pflanzenöl durch chemische Verfahren so
verändert werden, daß eine Nutzung in herkömmlichen Motoren
möglich ist. Im Falle des Kraftstoffs aus Rapsöl wird das Öl
in einer Raffinerie aufbereitet. Am Ende des Prozesses steht
Rapsölmethylester (RME), der unter der Bezeichnung Biodiesel vermarktet
wird. Hervorgehoben werden in diesem Zusammenhang stets die ausgeglichene
CO2Bilanz (bei der Herstellung und Verbrennung des Kraftstoffs wird
nicht mehr CO2 freigesetzt, als durch das Wachstum der Pflanze aufgenommen
wird) und die gute biologische Abbaubarkeit des Biodiesels. Gerade diese
biologische Abbaubarkeit bringt aber Probleme bei der Lagerung mit sich.
Eine Studie der Universität Oldenburg (Arbeitsgruppe Allgemeine
Mikrobiologie unter der Leitung von Prof. Dr. Karl-Heinz Blotevogel) erforscht
das Langzeitlagerverhalten von reinem Rapsölmethylester und von
unterschiedlichen Mischungen aus herkömmlichem Diesel und Biodiesel.
Untersucht wurde das Wachstum von natürlich vorkommenden Mikroorganismen,
die in der Lage sind, bestimmte Bestandteile des Kraftstoffs als Nährstoffe
zu nutzen. Sowohl Bakterien als auch Pilze sind in der Lage, mit diesem Substrat
zu wachsen, wenn sich Wasser in dem Lagertank befindet. Durch Kondensation
wird ein Wasserfilm an den Tankwänden gebildet, der durch seine höhere
Dichte am Tankboden eine Schicht unter dem Kraftstoff bildet. An der
Grenzfläche von Wasser und Kraftstoff leben und vermehren sich die
Mikroorganismen. Bei Lagerungstemperaturen von 25°C führen bereits
geringe Beimischungen von Rapsölmethylester zum Dieselöl zu einem
dramatischen Anstieg der bakteriellen Keimzahlen. In Einzelfällen wurde
eine Verzehnfachung der bakteriellen Keimzahl gegenüber herkömmlichem
Diesel gemessen. Bei höheren Anteilen von Rapsölmethylester im
Diesel und im reinen Biodiesel wird insbesondere das Wachstum von Pilzen
gefördert, die mit ihren stark verzweigten Zellfäden (Mycel) den
Kraftstoff durchsetzen. In Einzelfällen bilden diese Pilze in reinem
Biodiesel bis zu zehnmal mehr Biomasse als in mineralölstämmigem
Diesel. Der starke Wuchs der Mikroorganismen rührt von der guten
biologischen Abbaubarkeit der Rapsölmethylesterkomponenten her, die
auch unter sauerstofffreien Bedingungen durch die Mikroorganismen verwertet
werden können. Bei dem Abbau des Kraftstoffes kehren die Mikroorganismen
den industriellen Fertigungsprozeß des Rapsölmethylesters um,
indem sie den Kraftstoff wieder in seine Bestandteile zerlegen.
Alle Ergebnisse lassen die Schlußfolgerung zu, daß bei einem
großflächigen Einsatz von reinem Rapsölmethylester oder mit
Rapsölmethylester vermischten Dieselkraftstoffen ein erheblich höheres
Risiko des mikrobiellen Bewuchses zu tragen ist, das zu großen Problemen
bei der Langzeitlagerung dieser Kraftstoffe führt. Durch die
Aktivitäten der Mikroorganismen werden Kraftstoffkomponenten abgebaut,
Korrosionen am Tank gefördert und Biomasse gebildet. Der Kraftstoff
wird erheblich verunreinigt und verliert seinen Gebrauchswert.
Hinsichtlich der Nutzung von Biodiesel kristallisieren sich zwei Strömungen
in der EG heraus. Die einen befürworten die Nutzung von reinem Biodiesel,
andere wollen gewisse Anteile herkömmlichen Dieselkraftstoffs durch
Biodiesel ersetzen. Diese Beimischungen werden insbesondere von der
französischen Regierung forciert, die zur Jahrtausendwende diesen
Mischkraftstoff per Gesetz einführen möchte. Da dieser Kraftstoff
zum überwiegenden Teil aus mineralölstämmigem Dieselöl
bestehen wird, ist ein ökologischer Nutzen stark anzuzweifeln. Der Antrieb
zu diesem Gesetz scheint eher aus der traditionellen Nähe der Neogaullisten
zu den Landwirten zu erwachsen. Das Gesetz böte einen sicheren Absatzmarkt
für rapsanbauende Landwirte. Derartige versteckte Subventionen würden
noch dadurch unterstützt, daß die Rapsölmethylesterkomponente
des Kraftstoffs nicht besteuert werden soll. Dadurch würde der Verkaufspreis
in etwa auf die Höhe von herkömmlichem Dieselöl fallen.
Aufgrund der Studie sei, so Prof. Blotevogel, die Nutzung von
RapsölmethylesterDieselGemischen aus ökologischer und
ökonomischer Sicht zweifelhaft. Man müsse fragen, ob nicht als
Alternative reiner Biodiesel ausschließlich für spezielle Zwecke,
z.B. als Kraftstoff in der Forstwirtschaft oder in Wasserschutzgebieten,
genutzt werden sollte.
Kontakt: Prof. Dr. Karl-Heinz Blotevogel, Fachbereich Biologie,
Arbeitsgruppe Mikrobiologie, Tel. 0441/798-3289, Fax -3250.

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08. März 1996/67/96
Protest gegen Sparauflage und Arbeitszeitverlängerung
Oldenburg. Die Vernichtung von Arbeitsplätzen und zunehmenden Arbeitsdruck
befürchtet die Personalversammlung der Universität Oldenburg als
Folge der Sparauflagen der niedersächsischen Landesregierung für
die Hochschulen. In einer mit großer Mehrheit verabschiedeten
Protestresolution an Ministerpräsident Gerhard Schröder heißt
es, die Sparbeschlüsse der Landesregierung gefährdeten die
Aufgabenerfüllung der Universitäten erheblich. Neben den personellen
Konsequenzen müsse auch mit einer weiteren Verschlechterung der
Studienbedingungen gerechnet werden.
Der Weg, durch immer weitere Kürzungen im Bildungs-, Sozial- und
Kulturbereich die Finanzkrise des Landes meistern zu wollen, führe in
eine Sackgasse heißt es in dem Protestschreiben an Schröder.
Bildungsinvestitionen seien Investitionen in die Zukunft. Daher unterstütze
die Personalversammlung der Universität Oldenburg die Forderung an die
politisch Verantwortlichen, nicht einfach nur Kürzungen zu verordnen.
Vielmehr müßten Maßnahmen ergriffen werden, die durch eine
grundsätzliche Umverteilung der vorhandenen Ressourcen neue
Arbeitsplätze schafften und die Kluft zwischen Arm und Reich nicht noch
weiter vertieften.
In einer zweiten Resolution an Ministerpräsident Gerhard Schröder
wird die Landesregierung aufgefordert, die zum 1. April verordnete
Arbeitszeitverlängerung für BeamtInnen auf 40 Wochenstunden mit
sofortiger Wirkung zurückzunehmen. In Zeiten steigender Arbeitslosigkeit
sei eine Arbeitszeitverlängerung ein Schritt in die falsche Richtung,
heißt es in der Resolution. Anstatt die vorhandene Arbeit auf die
Beschäftigten auszudehnen, müsse durch Schaffung neuer
Arbeitsplätze und Arbeitszeitverkürzung die Arbeit gerechter verteilt
werden. Die 35-Stunden-Woche stehe nach wie vor auf der Tagesordnung. Nur
durch derart beschäftigungspolitische Maßnahmen hätten auch
gerade junge Menschen die Chance, einen Arbeitsplatz zu erhalten.

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07. März 1996/66/96
Daxner: "Bildung und Wissenschaft sind keine Luxusgüter"
Oldenburg. Als verständlich und berechtigt hat der Oldenburger
Universitätspräsident Prof. Dr. Michael Daxner die Kritik des
Vorsitzenden der Landeshochschulkonferenz, Prof. Dr. Rainer Künzel
(Osnabrück), an der Niedersächsischen Landesregierung bezeichnet.
Es sei an der Zeit, deutliche Worte zu sprechen, um das Ausmaß der
Probleme angesichts der Sparpläne der Landesregierung kenntlich zu machen.
Wörtlich sagte er: "Man kann mit den wichtigsten Ressourcen, über
die eine Industrienation verfügt, nicht umgehen wie mit einem Luxusartikel,
den man sich nur in fetten Jahren leistet. Die Zukunft unserer Gesellschaft
steht und fällt mit ihren Leistungen in Bildung, Wissenschaft und
Forschung."
In diesem Zusammenhang bezeichnete Daxner den Kabinettsbeschluß, wonach
das Wissenschaftsministerium seinen Etat um 452 Millionen Mark kürzen
soll, als abwegig und nicht realisierbar. Schon ein Viertel dieser Summe
würde die in den vergangenen zwei Jahren bereits arg gebeutelten
Universitäten in eine tiefe Krise stürzen. Bereits jetzt seien
die Hochschulentwicklungspläne quasi Makulatur.
Daxner betonte nochmals die Notwendigkeit zu einer Hochschulreform, die auch
zum Ziel haben müsse, Studium und Lehre effektiver zu gestalten. Allerdings
sei Reformwille bei den Hochschulen nicht zu erreichen, wenn jede materielle
Grundlage dafür entzogen würde. Die Regierung müsse sich besinnen
und dürfe nicht allein der Buchhalterpolitik des Finanzministers folgen.
Wer in schwierigen Zeiten Politik machen wolle, brauche Visionen und Mut.

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06. März 1996/65/96
Spritzenabgabe an drogenabhängige Strafgefangene: Oldenburger
Forschungsprojekt begleitet Modellversuch
Oldenburg. Seit Anfang 1996 läuft das auf zwei Jahre angelegte Modellprojekt
"Infektionsprophylaxe im Niedersächsischen Strafvollzug", das von einer
ForscherInnengruppe am Fachbereich 3 Sozialwissenschaften der Universität
Oldenburg wissenschaftlich begleitet wird. Die Leitung des Begleitprojekts
liegt bei Prof. Dr. Rüdiger Meyenberg (Institut für Politikwissenschaft
II). Das niedersächsische Modellprojekt ist das erste dieser Art in
Deutschland.
Vorausgegangen war die Arbeit einer Expertenkommission, die von der
niedersächsischen Justizministerin Heidrun Alm-Merk eingesetzt worden
war. Grund war die hohe Verbreitung von Infektionskrankheiten (wie HIV und
Hepatitis) unter drogenabhängigen Gefangenen im Strafvollzug. Die Kommission
hatte die Ausgabe von sterilen Spritzbestecks an drogenabhängige Gefangene
sowie ergänzende Präventionsmaßnahmen empfohlen mit dem Ziel,
eine Veränderung des riskanten Verhaltens der Gefangenen und eine allgemeine
Verbesserung ihres Gesundheitszustandes zu erreichen. Die Empfehlungen der
Expertenkommission waren Grundlage für einen Kabinettsbeschluß
der niedersächsischen Landesregierung, in einer JVA für Frauen
(Vechta) und einer JVA für Männer (Groß-Hesepe) modellhaft
für einen Zeitraum von zwei Jahren eine Spritzenabgabe an
drogenabhängige Gefangene durchzuführen.
Während die Konzepte der Umsetzung den einzelnen Anstalten von den
Bediensteten erarbeitet werden, hat die wissenschaftliche Begleitung vor
allem die Aufgabe, unabhängig von den unterschiedlichen Beteiligten
den Nutzen und der Effektivität der Maßnahme zu beurteilen. Sie
wendet sich an die drei Statusgruppen des Vollzuges, Gefangene, Bedienstete,
Leitung. Die Untersuchung zielt darauf, die verschiedenen Dimensionen von
Verhalten, Wissen, Einstellungen/Positionen und Einschätzungen zu
systematisieren und zu analysieren.
Insbesondere sollen Aussagen darüber getroffen werden, ob
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die Maßnahme machbar ist,
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sie Akzeptanz unter den verschiedenen Statusgruppen erfährt,
-
sie effizient ist in Hinblick auf das Drogengebrauchsverhalten der Betroffenen
(Häufigkeit des Konsums, Dosisveränderungen usw.),
-
sie Einstellungsänderungen gegenüber Risikoverhalten bewirkt und
zu einer Verbesserung des allgemeinen Gesundheitszustandes der Gefangenen
beiträgt.
Kontakt: Prof. Dr. Rüdiger Meyenberg, Dr. Heino Stöver,
Jutta Jacob, Fachbereich 3 Sozialwissenschaften, Inst. für
Politikwissenschaft II, Tel. 0441/9706-143/2, Fax: 0441/9706-180.

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06. März 1996/64/96
Frauen der Universität laden zum Tag der Offenen Tür ein
Oldenburg. Aus Anlaß des internationalen Frauentages am 8. März
lädt die Gleichstellungsstelle der Universität Oldenburg ab 11.00
Uhr im Gebäude A10 0-018 zu einem Tag der Offenen Tür ein. Ein
frauenfreundliches, aber dennoch frauenwitziges Kulturprogramm mit Musik,
Sketches und Spielen beginnt um 11.30 Uhr. Wie im letzten Jahr wird "Prof.
Dr. Erwin Fadenschein", Gründer der hochschulpolitischen Liste "Alte
Jungs", seinen Kommentar zu den aktuellen Entwicklungen in der Frauenpolitik
abgeben. Außerdem wird das neue Brettspiel "Womanji" sowie das "Inner
Bitch Handbook und Songbook" vorgestellt.

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05. März 1996/63/96
1. Oldenburger Schülerinnen-Kongress
Oldenburg. "Zusammenhalten - Neugestalten" ist das Motto des 1. Oldenburger
Schülerinnen-Kongresses, der am 8. März 1996, dem Internationalen
Frauentag, in der Aula der Universität Oldenburg stattfindet. Im Mittelpunkt
der überwiegend von Schülerinnen organisierten Veranstaltung steht
die Diskrimmierung von Frauen in unserer Gesellschaft. Frauen im Islam, Hexen,
das Frauenbild in Medien und Kinderbüchern, lesbische Mädchen,
aber auch Angst, Berufsorientierung und Schule sind Themen, mit denen sich
die Schülerinnen in Workshops beschäftigen können. Das
Niedersächsische Kultusministerium unterstützt den Kongreß
mit der Bitte an die Schulen, den Schülerinnen auf Antrag
Unterrichtsbefreiung zu gewähren. Der Schülerinnen-Kongreß
ist eine Veranstaltung im Rahmen des 10. Bundeskongresses "Frauen und Schule",
der vom 7. bis 9. März erstmalig in Oldenburg stattfindet.
Hinweis: Die Schülerinnen haben darum gebeten, ausschließlich
Journalistinnen für die Berichterstattung zu schicken.

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05. März 1996/62/96
Kontaktstudium in Supervision
Oldenburg. Noch bis zum 15. März 1996 können sich InteressentInnen
für das sechssemestrige Kontaktstudium "Supervision und
Organisationsberatung als systemorientiertes Handeln im beruflichen Kontext"
bewerben. Das Studium wird zum zweiten Mal vom Zentrum für wissenschaftliche
Weiterbildung (ZWW) der Universität Oldenburg angeboten. Angesprochen
sind Hochschul- und FachhochschulabsolventInnen mit mindestens vierjähriger
Berufspraxis und einer Weiterbildung im psychotherapeutischen bzw. beraterischen
Bereich. Ziel des Kontaktstudiums ist es, Supervision und Organisationsberatung
als "konstruktive und ressourcenorientierte Form der Selbstreflexion und
Lösungsfindung" zu erlernen. Das Studium findet berufsbegleitend statt.
Es schließt mit einem universitären Zertifikat ab.
Nähere Informationen: Zentrum für wissenschaftliche Weiterbildung
(ZWW), Abt. für psychosoziale Weiterbildung, Dipl.-Psych. Joseph Rieforth,
Universität Oldenburg, 26111 Oldenburg, Tel. 0441/798-2268 oder -4425,
Fax 0441/798-4441.

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05. März 1996/61/96
Medizinstudium ohne Abitur - Eine kontroverse Diskussion
Oldenburg. Kürzlich hat das Land Niedersachsen eine Gesetzesinitiative
im Bunderat vorgelegt mit dem Ziel, das Medizinstudium auch ohne Abitur zu
ermöglichen. Vom Hartmannbund, der standespolitischen Vertretung der
MedizinerInnen, wurden dazu erhebliche Bedenken angemeldet. Zu der Diskussion
gab jetzt Prof. Dr. Wolf-Dieter Scholz (Fachbereich Pädagogik der
Universität Oldenburg) eine Stellungnahme ab. Scholz ist der Beauftragte
für die Z-Prüfung (Prüfung für den Erwerb der
Hochschulzugangsberechtigung ohne Hochschulreife/Fachhochschulreife) an der
Universität Oldenburg.
Seit vielen Jahren bietet das Land Niedersachsen berufserfahrenen jungen
Menschen die Möglichkeit, auch ohne Abitur an einer seiner
wissenschaftlichen Hochschulen zu studieren. Voraussetzung dafür ist
u.a. eine anspruchsvolle Hochschulzugangsprüfung, in der die interessierten
Studierwilligen ihre Studierbefähigung nachweisen müssen. Seit
etwa zwei Jahren hat nun Niedersachsen die Möglichkeiten für diesen
Personenkreis noch erweitert. Wer einen bestimmten beruflichen
Weiterbildungsnachweis vorweist (z.B. die Meisterprüfung, die Qualifikation
zum Techniker, Betriebswirt, zur Erzieherin), kann in einem entsprechenden
Studienfach zunächst ohne Prüfung ein Probestudium beginnen und
muß nach zwei Semestern dann seine Studierfähigkeit durch
entsprechende studienfachbezogene mündliche und schriftliche Leistungen
nachweisen. Dann erst kann er sich unbefristet für das gewählte
Fach einschreiben lassen. Ausgenommen davon sind allerdings die medizinischen
Studiengänge, weil der angehende Arzt nach erfolgreichem Studium seine
Zulassung zur Approbation beantragen und dafür die allgemeine Hochschulreife
nachweisen muß. Diese nach dem Abschluß des Fachstudiums in der
Sache unsinnige Forderung wird von der Approbationsordnung für Mediziner
verlangt. Da die Approbationsordnung Bundesrecht ist, kann das Land keine
Ausnahmeregelungen schaffen, ohne einen Zustand der Rechtsunsicherheit zu
riskieren. Vor diesem Hintergrund ist es zu begrüßen, daß
das Land Niedersachsen einen Versuch unternimmt, durch eine Bundesratsinitiative
diese Bestimmung in der ärztlichen Approbationsordnung so zu
verändern, daß in Niedersachsen bald auch qualifizierte
Krankenschwestern und Krankenpfleger ohne Abitur die Möglichkeit bekommen,
Medizin zu studieren, so wie z.B. Verwaltungsangestellte die Möglichkeit
haben, Jura zu studieren.
Es ist nicht besonders überraschend, daß Niedersachsen mit seiner
Gesetzesinitiative den standespolitisch begründeten Widerstand des
konservativen Hartmannbundes geweckt hat. Wider besseres Wissen aus der
alltäglichen Praxis in den Krankenhäusern befürchtet er einen
Qualitätsverlust des Medizinstudiums, weil die Krankenpfleger oder
Krankenschwestern ohne Abitur keine ausreichenden analytischen und
wissenschaftlichen Denkweisen hätten. Was nun die Studierfähigkeiten
der angesprochenen Personengruppe betrifft, kann der Hartmannbund beruhigt
werden: Mit dem Medizinstudium von qualifizierten Berufstätigen ohne
allgemeine Hochschulreife liegen nämlich längst positive Erfahrungen
vor. In Niedersachsen haben bis 1981 eine ganze Reihe von Nichtabiturienten
eine Zulassungsprüfung für das Medizinstudium erfolgreich
abgeschlossen, anschließend ihr Studium an der Medizinischen Hochschule
in Hannover (MHH) bzw. an der Universität Göttingen aufgenommen
und mit gutem oder sehr gutem Erfolg beendet. Sie dürften seit vielen
Jahren als freipraktizierende Mediziner oder als Krankenhausärzte ihrer
Arbeit nachgehen und es kaum als Hemmnis in ihrer fachlichen Arbeit empfinden,
daß sie zwar eine anspruchvolle wissenschaftliche Berufausbildung hinter
sich gebracht haben, vielfach auch promoviert worden sind und erfolgreich
Karriere machen konnten, aber nicht das Abitur haben.
An der Universität Oldenburg ist 1986 eine empirische Studie
veröffentlicht worden, in der (im Auftrag der konservativ-liberalen
Bundesregierung) der Studienerfolg von Nichtabiturienten in Niedersachsen
untersucht worden ist. Dabei sind auch Medizinstudierende aus Göttingen
und Hannover untersucht worden Diese Untersuchung konnte deutlich nachweisen,
daß in der Medizin wie in allen anderen Studienfächern die
Nichtabiturienten mindestens so erfolgreich gewesen sind wie ihre Kommilitonen
und Kommilitoninnen mit dem Abitur. Auch Hochschullehrer aus den entsprechenden
Universitäten bzw. von der MHH bestätigen, daß dieser
Personenkreis aufgrund seiner z.T. hohen fachlichen Vorbildung (viele kamen
aus der Krankenpflege und aus den medizinisch-technischen Berufen), seiner
hohen Leistungsbereitschaft und seiner größeren Lebenserfahrung
und Persönlichkeitsentwicklung eine Bereicherung für die Hochschulen
dargestellt hat.
Leider hat das Land Niedersachsen diesen Weg in das Medizinstudium für
Niedersachsen ruhen lassen müssen, weil die Befürchtung gewachsen
war, daß der Gegensatz von Approbationsordnung als Bundesrecht und
niedersächsischer Zulassungregelung als Landesrecht im Streitfall zu
einer Benachteiligung der Medizinstudierenden ohne Abitur hätte führen
können. Nur deshalb gibt es seit ca. 15 Jahren diesen Weg in das
Medizinstudium in Niedersachsen nicht mehr. Es ist dem Land Niedersachsen
bei seiner spät ergriffenen Bundesratsinitiative nur zu wünschen,
daß es nicht an den standespolitisch motivierten Denkgrenzen der Lobbyisten
der konservativen Vertreter der deutschen Ärzteschaft scheitert.
Übrigens: Seit diesen 15 Jahren vertaner Zeit sind in Niedersachsen
Tausende tüchtiger junger Menschen ohne Abitur über die
Zulassungsprüfung Juristen, Ingenieure, Informatiker, Naturwissenschaftler,
Lehrer, Pädagogen usw. geworden. Hätte es für sie so etwas
gegeben wie eine Approbationsordnung, wäre ihnen die Hochschule und
der akademische Beruf verschlossen geblieben.
Kontakt: Prof. Dr.Wolf-Dieter Scholz, Fachbereich Pädagogik,
Tel. 0441/798-2069, Fax -2325.

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01. März 1996/60/96
Forschungsaufenthalt in Saudi-Arabien
Oldenburg. Zum sechsten Mal reist Prof. Dr. Thomas Höpner, Hochschullehrer
am Fachbereich 9 Chemie der Universität Oldenburg, vom 4. bis 21. März
1996 nach Saudi-Arabien, um im Rahmen einer Langzeituntersuchung die Entwicklung
der dortigen Ölkatastrophe zu beurteilen. Der Wissenschaftler ist Mitglied
einer internationalen Expertenkommission, die die biologischen Folgen der
Ölfreisetzung im Golfkrieg beobachtet.

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01. März 1996/59/96
Deklaration zum wissenschaftlichen Tiefseebohren
Oldenburg. Auf dem zur Zeit an der Universität Oldenburg stattfindenden
1. EuroColloquium des internationalen Tiefseebohrprojekts "Ocean Drilling
Program" haben sich mehr als 200 Geowissenschaftler aus 13 europäischen
Ländern in einer Deklaration dafür ausgesprochen, die
Tiefseeböden durch Bohrungen weiterhin umfangreich zu erforschen. Damit
solle ein Beitrag geleistet werden, drängende Probleme wie die
Veränderung der Erdatmosphäre, den zunehmenden Bedarf an Energie
und anderen dringend benötigten Rohstoffen zu lösen und
Möglichkeiten der Abfallbeseitigung zu erforschen. Die Deklaration im
Wortlaut:
"Bohrungen in die Ozeanböden haben die Bestätigung dafür gebracht,
daß an den mittelozeanischen Rücken Meeresboden ständig
neugebildet wird, aber an den Tiefseegräben auch ständig zerstört
wird. Die Bewegungen dieser ozeanischen Erdkruste wurden für die letzten
150 Millionen Jahre durch Tiefseebohrungen präzise bestimmt. Bohrungen
in die geschichteten Ablagerungen von marinen Mikroorganismen, welche die
Erdkruste unter den Ozeanen bedecken, haben die große Variabilität
des Erdklimas über diese Zeit hinweg demonstriert, die
größtenteils eine Konsequenz von Variationen der Erdumlaufbahn
ist. Aus dem mit Bohrungen gewonnenen Material wurde viel über die
evolutionären Tendenzen von Lebewesen erfahren. Die physikalischen und
chemischen Eigenschaften der Meeresböden wurde sehr detailliert mit
Hilfe von Bohrungen studiert. Erstrangige Entdeckungen im Zusammenhang mit
der Bildung von Erdöl und Erdgas sowie von Erzlagerstätten wurden
gemacht. In jüngster Vergangenheit wurden lebende Bakterien in mindestens
600 m unter dem Meeresboden in Bohrlöchern gefunden, die die Biologen
dazu zwangen, ihre Abschätzungen der lebenden Biomasse der Erde drastisch
zu verändern und die Geologen veranlaßten die Rolle anzuerkennen,
die die Mikroben bei den physikalischen und chemischen Veränderungen
in der Tiefe spielen.
Viele der Veränderungen, die unter den Ozeanen vorkommen, sind noch
unbekannt. Während sich der Bevölkerungszuwachs dem
Sättigungspunkt für das Raumangebot und die Ressourcen auf denjenigen
30% Erdoberfläche, die auf dem Festland liegen, nähern wird,
müssen in zunehmendem Maße die Ozeane die Ressourcen und
Abfallbeseitigungsmöglichkeiten für die Erdbevölkerung vorhalten.
Darum ist es unerläßlich, daß die Menschheit die Erdprozesse
der Vergangenheit und Gegenwart versteht. Viele der weltweit wichtigsten
Prozesse laufen unter den Ozeanen ab und erfordern eine eingehende Untersuchung.
Das Tiefseebohren wird ein unentbehrliches Werkzeug bei der Enträtselung
früherer Umweltverhältnisse sein, welche ihrerseits den Schlüssel
für die Vorhersage der Zukunft der Erde und Schaffung eines Rahmens
für das Erdmanagements liefern. Die wissenschaftliche Grundlage und
die Gestaltung einer derartigen Anstrengung sind in einem Langzeitplan dargelegt,
der den Titel "Unsere dynamische Erde mit Hilfe von Tiefseebohrungen verstehen"
trägt und eine Fortsetzung des Tiefseebohrens bis in das 21. Jahrhundert
fordert.
Wir bitten alle Entscheidungsträger in der europäischen
Wissenschaftsplanung, Fördereinrichtungen, öffentliche Dienste
und die Industrie diese globale Initiative für eine verbesserte Erforschung
der Erdsysteme mittels Tiefseebohrungen zu unterstützen."
Kontakt: Prof. Dr. Helmut Beiersdorf (Bundesanstalt für
Geowissenschaften und Rohstoffe), zur Zeit, Oldenburg, und Prof. Dr. Jürgen
Rullkötter, Institut für Chemie und Biologie des Meeres, Carl von
Ossietzky Universität Oldenburg, Tel.: 0441/ 9706-359, Fax: 0441 798-3404.

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01. März 1996/58/96
CeBIT '96: Datenbankgestütztes Aktivitätenmanagement als Werkzeug
für das Workflow- und Prozeßmanagement
Oldenburg. Mit dem sogenannten "datenbankgestützten
Aktivitätenmanagment" befaßt sich die Arbeitsgruppe von Prof.
Dr. Hans-Jürgen Appelrath, Fachbereich 10 Informatik, der Universität
Oldenburg auf der CeBIT '96, die vom 22. bis 27. April 1996 in Hannover
stattfindet. Das "datenbankgestützte Aktivitätenmanagment" ist
das Ergebnis aktueller Forschungsvorhaben und ermöglicht in Betrieben
und in der Verwaltung eine komplexe Verschachtelung von computergestützten
Routineaufgaben und z.T. eigenständigen Problemlösungen.
Die klassische Domäne rechnergestützter Informationssysteme ist
die Bereitstellung und Pflege von Datenbeständen auf der Basis
konventioneller Datenbanktechnologie. Die wachsende lokale Autonomie von
Organisationseinheiten einerseits und die Verschachtelung mehrerer Vorgänge
in einer Organisation andererseits führt jedoch zu gestiegenen Anforderungen
an zukünftige Informationssysteme, die künftig nicht mehr vorrangig
Datenspeicher sein müssen, sondern Handlungsanweisungen von Menschen,
autonome Informationssysteme und Werkzeuge integrieren müssen. Sie werden
derart komplex, daß die Koordination der zur Erfüllung einer Aufgabe
notwendigen einzelnen Anwendungsfunktionen (Aktionen) nicht mehr den
BenutzerInnen allein überlassen werden kann, sondern teilweise vom System
übernommen werden muß. Derartige Systeme heißen aktive
Informationssysteme (AIS).
Ihre Architektur beinhaltet als Organisationseinheiten zum einen das
konventionelle Datenbankmanagement und zum anderen die davon unabhängig
arbeitende Überwachungseinheit, das Aktitvitätenmanagement. Dieses
integriert anwendungsunabhängige Dienste zur Verwaltung und Steuerung
von Datenflüssen und -transformationen in Teilsystemen, wie beispielsweise
Software-Werkzeuge, Editoren, Tabellenkalkulationsprogrammen oder
programmanalytische Mechanismen. Aktivitätsmanagementsysteme (AMS)
erhöhen auf diese Weise die Transparenz und die Modularität der
Anwendungsentwicklung und erreichen eine größere Flexibilität
der mit ihnen realisierten aktiven Informationssysteme.
Die Arbeitsgruppe von Appelrath ist derzeit an der Identifizierung universeller
Mechanismen zur flexiblen Beschreibung, Verwaltung und Steuerung von
systeminternen Aktivitäten beteiligt. Im Zentrum des Modells befinden
sich einheitliche Abstraktionsprinzipien, wie sie durch die dazu definierten
sogenannten Aktiven Abstrakten Datentypen (AADT) angeboten werden. Mit Hilfe
dieser Vereinheitlichung von Merkmalsausprägungen wird das AIS über
Ereignisse bei den externen Agenten wie NutzerInnen oder Maschinen informiert
und kann gleichzeitig über Operationsaufrufe auf diese einwirken.
Aufgrund ihrer Universalität können Aktivitätsmanagementsysteme
den Einsatz von Routineabläufen zur Auswertung von Datenbanken
beispielsweise in der Verwaltung, biologischen oder soziologischen
Erfassungsprogrammen automatisieren, mehrere Auswertungsebenen und Agenten
kombinieren sowie Aufgabenteile der Software-Prozeß-Planung
übernehmen.
Vorstellbare Anwendungsgebiete für AIS
Kontakt: Prof. Dr. Appelrath, Fachbereich 10 Informatik, Universität
Oldenburg, Tel. 0441/9722-201
OFFIS-Präsentation
Das aus der Universität hervorgegangene Institut Oldenburger Forschungs-
und Entwicklungsinstitut für Informatik, Werkzeuge und Systeme (OFFIS)
präsentiert auf der diesjährigen CeBIT die Ergebnisse ihrer Forschungs-
und Entwicklungsprojekte für Betriebe (FluX), technische Anwendung (PULSE),
Umweltmedizin und Humangenetik (EXPLAIN-MEDIKUS).
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